Galerie Photeur in Berlin-Mitte,  2006 – 2010

Informationen zu einigen Ausstellungen von und bei Photeur (Anklamer Strasse 15, Berlin-Mitte) in meinem Archiv. In den Jahren 2008 bis 2010 fanden die Bildverkäufe über das Auktionshaus Altenburg statt.

 

Text von Berenika Partum im KUNSTMAGAZIN Januar 2006:

Photeur: Neue Räume zur Fotokunst aus Osteuropa – Klein aber Fein!

Die zeitgenössische Kunstszene in Rumänien, Bulgarien oder Tschechien ist über die Landesgrenzen hinaus immer noch zu wenig bekannt. Noch weniger weiß man über die Fotografieszene dieser Länder, die im Moment eine ebenso interessante Entwicklung durchmacht. Das Institute of Creative Photography (ICP) in Opava (Tschechien) ist zum Beispiel eine Schule mit international gutem Ruf, und das Fotofestival in Bukarest (Rumänien) „artphoto image“, das zum ersten Mal im Jahre 2005 stattfand, war der Auslöser für den in Berlin lebenden Horst Kloever eine Initiative mit Schwerpunkt auf diese Länder zu gründen.

Photeur ist eine Galerie und zugleich eine Internetplattform für Fotografie aus Mittel- und Osteuropa. Anders als die ein halbes Jahr zuvor eröffnete Galerie ZAK, 
die ein breiteres Spektrum an Medien – nämlich auch Videokunst aus Mittel- und Osteuropa – im Programm hat, bildet hier ausschließlich Fotografie das Thema.
Dem Gründer und Redakteur der Webseite liegt es daran, „seinen Nachbarn besser zu verstehen“. Erfahrung mit fremden Nachbarn brachte er mit – in den 90ern war er drei Jahre Co-Kurator im Haus der Kulturen der Welt. Seine litauischen Wurzeln gaben wohl endgültig den Anstoß für den Schwerpunkt seiner neu aufgemachten Galerie. Bereits im September letzten Jahres startete er mit der ersten Ausstellung von Cosmit Mumbut und Mirela Bratu aus Rumänien. In den Räumen von SOLAR an der Stresemannstrasse zeigte er einen kleinen Ausschnitt der rumänischen Fotoszene. 30 qm hat nun seit Dezember sein eigener, frisch renovierter „Showroom“ an der Anklamer Straße / Ecke Brunnenstraße. Etwas abseits im etablierten Galerienviertel ist er sicher eine außergewöhnliche Entdeckung. Eine kleine, aber von Anfang an professionell geführte Initiative.

Persönliche Kontakte sind wichtig, vor allem zu den Fotografen. So lerne ich bei meinem Besuch gleich Jana Stepanova kennen. Eine tschechische Fotokünstlerin, die sich mit Gender-Themen beschäftigt. Zu Photeur sollen auch Jungtalente kommen, die noch keine große Karriere 
zu verzeichnen haben. Hier bekommt junge Fotografie 
eine Chance – „Dazu muss man nicht in Düsseldorf studiert haben“, so Horst Kloever.
Auf der Webseite findet man interessante Arbeiten wie die von Karolina Sekula. „Not a good match“ – eine Diplomarbeit, die aus einem Zyklus von jeweils zwei Portraits besteht, die Menschen in bestehenden partnerschaftlichen Beziehungen ablichten. Die Fotos sind eine Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen. 
Die Fotografin geht der Frage nach, was Menschen dazu veranlasst, sich voneinander angezogen zu fühlen.

Momentan ist noch die erste Ausstellung von Vojtech S. Slama zu sehen. Der 32-Jährige bekannte tschechische Fotograf ist an der digitalen Fototechnik in keiner Weise interessiert. Er präsentiert klassische schwarz-weiße Aufnahmen, die er mit einer alten Mittelformatkamera, der Relleiflex, macht und in der Dunkelkammer selbst vergrößert. Es sind kleine, aber interessante Momente, die Dinge mehr andeuten als konkret sagen. Es lohnt sich vorbeizuschauen, denn bei den tschechischen, rumänischen und polnischen Fotografen, die in Berlin leben, hat sich Photeur bereits herumgesprochen, und auf der Vernissage hörte man einige osteuropäische Sprachen. Zeit, den Nachbarn kennen zu lernen!

 

Präsentation des Visegrad Fund Sittcomm Award für zeitgenössische Fotografie in Kooperation mit der Galerie ZAK (heute Zak-Branicka).